Rückruf – Wie trainiert man eine Hundepfeife auf?

Die Hundepfeife ist ein tolles Instrument im Hundetraining! Mit ihrer Hilfe können wir über große und kleine Distanzen dem Hund vermitteln, er möge sich doch bitte in Bewegung setzen: Und zwar in unsere Richtung und wenn möglich auch zügig und freudig!

Ein weiterer Vorteil: Die Hundepfeife klingt immer gleich und übermittelt keine Emotionen.
Wer kennt es nicht: Man ruft, der Hund kommt nicht & man wird etwas ärgerlich. Das hört der Hund auch an unserer Stimme. Und dann überlegt es sich gleich doppelt, ob er zurück kommt, wenn Herrchen oder Frauchen eh grad schlecht gelaunt sind.
Das passiert bei der Hundepfeife nicht. Der Rückruf klingt immer gleich und Waldi kommt freudig zurück.

Wie soll das gehen? Immerhin spielt Waldi grade so schön mit seinen Hundekumpels…

"Zurück!"

Das Training ist der Schlüssel zum Erfolg! Hundepfeife heißt nämlich nicht, dass der Hund sich denkt: „Oh, eine HUNDEpfeife, da komme ich doch mal!“
Es sind einfach Pfeifen – im optimalen Fall mit genormten Frequenzen. Jetzt muss man dem Hund nur noch begreiflich machen, dass er auch kommen soll, wenn man pfeift.
Und so wird aus der Pfeife eine Hundepfeife:

1. Schritt: Konditionierung (für Leute mit Clicker-Erfahrung kein Fremdwort)

Man „bewaffnet“ sich mit etwas für den Hund sehr Tollem (Fleischwurst, Leberwurst, DER Lieblingsball…) und der Hundepfeife. Zuerst überlegt man sich im Vorfeld, wie man pfeifen möchte, ich empfehle einen Doppelton („Tut Tut“). Dieser Pfiff sollte dann auch beibehalten werden, denn für den Hund wird es zu einem Signal wie jedes andere auch. (Wenn wir dem Hund bei „Sitz“ beigebracht haben, sich hinzusetzen, dann sagen wir ja nicht auf einmal Käsekuchen, damit er sich hinsetzt und erwarten, dass er das nun auch versteht.)

Man pfeift also sein „Tut Tut“ und gibt dem Hund innerhalb einer Sekunde seine Belohnung. Diesen Schritt wiederholt man hintereinander recht häufig. (ca. 20-30 Mal). Das über 2-3 Tage und 2-3 Mal am Tag. Wenn man das Gefühl hat, dass der Hund schon verstanden hat, dass „Tut Tut“ bedeutet, er bekommt etwas Tolles, dann kann man das Testen: Man hält sich in einem anderen Raum als der Hund auf und pfeift in die Hundepfeife. Kommt Waldi in freudiger Erwartung angerannt, bekommt er einen Jackpot, das heißt z.B. viele Stücke von der Fleischwurst. Kommt er nicht: Weiter konditionieren.

Nun beginnt das eigentliche Training.
WICHTIG: Die Pfeife wird vorerst NUR unter Trainingsbedingungen verwendet, wenn Sie also auf den Hund Zugriff haben. Bitte nicht nach 2 erfolgreichen Abpfiffen die Hundepfeife benutzen, wenn der Hund grad hinter dem Hasen her ist. Das wäre für das Training nämlich sehr schlecht, da der Hund nun lernt, dass er nicht gehorchen muss und es keine Konsequenz gibt. Es gilt: Wetten Sie 200 € auf Ihren Hund, dass er zurück kommt? Ja? Klasse, dann pfeifen Sie. Wenn nicht, bleibt die Hundepfeife unbenutzt.

2. Schritt: Pfeife = herankommen und vorsitzen

Es wird noch nicht draußen trainiert, sondern weiterhin drinnen. Der Hund wird angeleint und soll sich hinsetzen. Sie gehen ein paar Schritte nach hinten, pfeifen dann und animieren den Hund, zu Ihnen zu kommen. (Steht er später schon beim „Tut Tut“ auf, brauchen Sie ihn nicht mehr animieren, sondern nur noch loben.) Sollte er sitzen bleiben, holen sie ihn wie ein Fisch an der Angel mit der Leine zu sich und loben ihn dabei!  Wenn der Hund bei Ihnen ist, bekommt er seine Belohnung. (Er muss noch nicht vorsitzen.) Dieser Schritt wird auch wieder solange wiederholt, bis der Hund das gut macht. (Trainingseinheiten von 5-10 Minuten bitte nicht überschreiten, der Hund soll ja Spaß am Training haben.)

So, nun weiß der Hund schon, dass er beim „Tut Tut“ kommen soll. Jetzt soll er sich bitte aber auch noch hinsetzen. Es wird also wieder gepfiffen, Waldi kommt und möchte seinen Keks. Der kommt jetzt aber nicht sofort. Wir helfen dem Hund, indem wir ihm den Keks vor die Nase halten und ihn „daran vor uns ziehen“. Steht er vor uns, ziehen wir den Keks etwas nach oben. Und siehe da: Waldi sitzt vor uns. LOBEN! Wenn das jetzt schon super klappt: Ableinen und ohne Leine üben. Erst wenn das drinnen gut klappt, geht es nach draußen!

3. Schritt: Draußen trainieren

Hunde lernen kontextabhängig, das bedeutet, dass sie ihre Umgebung etc. beim Lernen mit Verknüpfen. Wenn ein Hund drinnen etwas kann, dann heißt das nicht, dass er es auch draußen automatisch kann! Also erstmal die (Schlepp-) Leine an den Hund und in kleinen Schritten üben. Wichtig: Bei geringer Ablenkung anfangen.

Der Hund wird abgesetzt und Sie entfernen sich ein paar Schritte. Jetzt pfeifen. Kommt er wie selbstverständlich, loben Sie ihn und steigern Sie die Distanz / Ablenkung.  Kommt er nicht, oder ist er verunsichert, dann wieder animieren und ggf. den Hund an der Leine einholen (dabei trotzdem loben).  So lernt er, dass Sie Zugriff auf ihn haben und er sowieso kommen muss, wenn diese Hundepfeife das Tut-Tut von sich gibt.

Klappt es in der konstruierten Situation (Hund sitzt, man entfernt sich) sehr gut, dann darf der Hund sich an der Schleppleine frei bewegen (am besten ist Waldi hierbei im Geschirr, falls er mit Tempo in die Leine rennen sollte, kann er sich im Halsband verletzen).
Schaut er grad zur Seite, zücken Sie die Hundepfeife. Kommt er, loben Sie ihn schon, während er auf Sie zuläuft! Sitzt er vor Ihnen, bekommt er seine Belohnung!

Zu Beginn des Trainings ist die Schleppleine wichtig, denn falls Waldi sich denkt, dass diese Stelle grade sooo toll reicht, dass er eigentlich jetzt noch nicht kommen möchte, haben Sie Zugriff auf ihn. Steigern Sie die Ablenkungen, unter denen Sie ihn abpfeifen.

4. Schritt: Rückpfiff ohne Leine

Auch hier ist wichtig: fangen Sie wieder unter geringsten Ablenkungen an! Auch die Distanz ist erstmal wieder kürzer. Der Hund wirst erstmal wieder abgesetzt & Sie gehen ein paar Schritte. Waldi kennt dieses Spiel nun schon und wird aufmerksam sein, er weiß ja, dass gleich der Pfiff kommt. Kommt er nach dem „Tut Tut“ auf sie zugerannt, loben Sie ihn!!!

Jetzt wird auch hier die Ablenkung langsam gesteigert. Und denken Sie an die 200€-Wette. Üben Sie in verschiedenen Situationen!

WICHTIG: Pfeifen Sie den Hund nicht ab und leinen ihn dann sofort an; so wird er nur verknüpfen, dass der Pfiff bedeutet, der Spaß und der Freilauf vorbei sind.
Besser: Abpfeifen und wieder losschicken. Dann ist es auch völlig okay, wenn er dann auch mal nach dem Zurückkommen angeleint wird.

Das bedeutet: Rufen Sie Ihren Hund auch ab, wenn Sie noch nicht gehen wollen, sondern auch mal mitten aus einem Spiel. Er kommt, setzt sich vor, sie loben ihn und schicken ihn wieder los.

Wenn man das befolgt, sollte der Abruf demnächst kein Problem mehr sein!

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Die Hundepfeifen von Acme haben genormte Frequenzen, so dass der Rückpfiff bei jedem Familienmitglied gleich klingt.

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